Archiv für den Monat: Juni 2009

Karstadt insolvent

Nun ist alles doch recht schnell gegangen, Arcandor hat gestern den Insolvenzantrag für die Warenhauskette Karstadt gestellt. Arcandor hat den Antrag auf Staatshilfe, der am Montag noch abgelehnt wurde nicht nachgebessert. Bei Übernahmeverhandlungen mit der Metro konnte keine Einigung erzielt werden, meiner Meinung ist es für die Metro nun viel günstiger an die „Filetstücke“ der Karstadt Warenhäuser zu kommen, die Metro hat Interesse an 60 der 90 Standorte bekundet.

Man stellt sich natürlich die Frage, wie die Metro Gruppe mit Galeria Kaufhof halbwegs erfolgreich sein kann und Karstadt nicht. Ich persönlich gehe nur im äußersten Notfall in einen Kaufhof, Karstadt wirkt auf mich zumindest in Hannover sehr viel attraktiver und moderner.

Die Konzernabschlüsse der beiden Gesellschaften lassen leider nur einen sehr eingeschränkten Blick in die Segmente Karstadt bzw. Kaufhof zu. Bei Kaufhof ist z.B. der Rohgewinn (Umsatz abzüglich Wareneinsatz), eine für den Handel sehr wichtige Kennzahl nicht angegeben, Mietbelastungen finden sich leider auch nicht wieder. Was jedoch angegeben ist, sind die Mitarbeiterzahlen, genau um diese wird es wohl gehen. Es kursieren erste Meldungen, dass 10.000 Arbeitsplätze betroffen seien, gemeint ist hier allerdings nicht nur Karstadt, sondern auch in den anderen Geschäftsbereichen.

An den Mitarbeitern muß es nicht unbedingt gelegen haben. Zur Vergleichbarkeit werden Teilzeitstellen immer auf Vollzeitstellen umgerechnet. Bei Karstadt gab es am 30.09.2008 insgesamt 32.352 Mitarbeiter, viele davon in Teilzeit, so dass diese 23.195 Vollzeitstellen entsprechen. Der Umsatz bei Karstadt lag in dem am 30.09.2008 endenden Geschäftsjahr bei 4.329.732.000 (4,3 Milliarden) EUR. Je Vollzeitstelle entspricht dies einem Umsatz von 186.666 EUR.

Bei der sehr viel erfolgreicheren Galeria Kaufhof wurde ein Umsatz von 3.516.000.000 EUR mit 19.875 Vollzeitbeschäftigten erzielt, das ergibt einen Umsatz je Mitarbeiter von 176.905 EUR. Mitarbeiterzahlen geben natürlich keinen Aufschluß über die tatsächlich entstehenden Personalkosten, vielleicht zahlt Karstadt im Vergleich zu Kaufhof „Spitzengehälter“ 😉

Filialhandel ist ja rein betriebswirtschaftlich ein relativ einfaches Gebiet. Anhand einer für jede Filiale geführten Erolgsrechnung lassen sich sehr schnell Problemfilialen erkennen und Veränderungen durchführen. Im Grunde sind nur 3 Aufwandspositionen wesentlich: Wareneinsatz, Personalkosten und Mietkosten. Das Interesse der Metro an nur 60 der 90 Standorte lässt darauf schließen, dass hier versäumt wurde zu handeln (z.B. Standortschließung) oder aufgrund der so grandios ausgehandelten Mietkonditionen gar kein Handeln möglich war.

(Quellen: www.ebundesanzeiger.de)